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Warum fressen Hunde Gras?

Warum fressen Hunde Gras?

Die meisten Hundehalter sehen ihr Tier beim Spaziergang Gras zupfen, und die meisten von ihnen stellen sich dieselbe Frage: Ist das normal. In den meisten Fällen ja. Grasfressen ist ein natürliches Verhalten, das auch bei gesunden, gut ernährten und beschwerdefreien Hunden zu beobachten ist, und es hat nur selten etwas mit einer Krankheit zu tun.

Zum Problem wird es erst, wenn das Verhalten seinen Charakter ändert: Wenn es gierig wird, sich mehrmals täglich wiederholt oder von Erbrechen, Durchfall oder Apathie begleitet wird. Im Folgenden finden Sie einen Überblick über das, was zu den Ursachen bekannt ist, sowie konkrete Signale, bei denen ein Anruf in der Tierarztpraxis angebracht ist.

Die kurze Antwort: Warum frisst ein Hund Gras?

Ein Hund frisst Gras aus verschiedenen Gründen, und selten lässt sich ein einzelner benennen. Verschiedene Ursachen können sich dabei bei ein und demselben Tier überlagern. Meist geht es um instinktives Verhalten, Neugier, den Bedarf an Ballaststoffen, eine Reaktion auf Langeweile oder um Beschwerden im Verdauungstrakt.

Grasfressen an sich ist weder eine Krankheit noch ein Symptom, das für sich genommen behandelt werden müsste. Entscheidend sind erst die Intensität, die Umstände und das, was mit dem Hund nach der Rückkehr nach Hause geschieht.

Die häufigsten Ursachen für das Grasfressen

Nachfolgend fünf Erklärungen, die am häufigsten auftauchen, geordnet von den am besten belegten bis zu denen, die man mit Vorsicht behandeln sollte.

Instinkt: Warum fressen manche Hunde häufiger Gras als andere?

Pflanzen in der Nahrung von Caniden sind nichts Neues. In Untersuchungen des Verdauungstraktinhalts wildlebender Caniden findet sich regelmäßig pflanzliches Material. Das Grasfressen hat also einen evolutionären Hintergrund und ist keine Erfindung des Haushundes.

Vorsichtiger sollte man dagegen mit der verbreiteten Erklärung umgehen, Hunde fräßen Gras, weil ihre Vorfahren den Mageninhalt erlegter Pflanzenfresser aufgenommen hätten. Beobachtungen an Wölfen zeigen eher das Gegenteil: Der Mageninhalt der Beute bleibt oft liegen. Näher an der Wahrheit ist die Aussage, dass Caniden Grünzeug direkt und nebenbei fressen und dass manche Hunde das schlicht lieber tun als andere, unabhängig von Ernährung und Alter.

Frisst ein Hund Gras, um Erbrechen auszulösen?

Das ist die am häufigsten wiederholte Theorie und zugleich diejenige, die durch Untersuchungen am stärksten geschwächt wurde. In Halterbefragungen erbricht nur ein kleiner Teil der Hunde nach dem Grasfressen, in einigen Studien etwa acht Prozent. Die überwiegende Mehrheit der Tiere zeigt vor dem Grasen keinerlei Krankheitsanzeichen und fühlt sich danach wohl.

Das heißt nicht, dass es diesen Mechanismus nicht gibt. Gras reizt die Magenschleimhaut tatsächlich, und lange Halme reizen den Rachen, sodass ein Hund mit Übelkeit gezielt danach greifen kann. Das Erbrechen entfernt dann unverdaute Reste, auf die die Verdauungssäfte noch nicht einwirken konnten. Das ist jedoch eine von mehreren möglichen Ursachen und keine Regel.

Grasfressen und Ballaststoffe in der Ernährung

Gras liefert Ballaststoffe, die die Darmpassage regulieren und die Kotbeschaffenheit beeinflussen. Hunde, die ballaststoffarm ernährt werden, neigen eher zum Naschen von Gras, und eine höhere Ballaststoffzufuhr schränkt dieses Verhalten in manchen Beobachtungen ein.

Eine sicherere Ballaststoffquelle als der Rasen sind Gemüse und funktionelle Zusätze im Futter. Kürbis liefert Ballaststoffe sowie Vitamin E und B-Vitamine und taucht deshalb in den Rezepturen gefriergetrockneter Alleinfuttermittel auf, unter anderem in Ente mit Kürbis und Huhn mit Kürbis. Eine Futterumstellung erfolgt immer schrittweise über etwa sieben Tage.

Langeweile und Stress: Grasfressen als Ventil für Anspannung

Grasfressen kann eine Ersatzhandlung sein. Ein Hund, der viel Zeit allein verbringt, wenige Geruchsreize bekommt und nur kurze Spaziergänge macht, sucht sich vor Ort eine Beschäftigung, und das Grün liegt direkt vor der Nase.

Ähnlich wirkt Stress. Trennungsangst, Lärm, ein Umgebungswechsel oder Anspannung im Haushalt können wiederholtes Verhalten auslösen, darunter hartnäckiges Grasfressen. In solchen Situationen hilft kein Schimpfen, sondern mehr Aktivität, Nasenarbeit und die Arbeit an der Ursache der Anspannung.

Verschluckter Fremdkörper und Verdauungsprobleme

Ein Hund, der einen Fremdkörper verschluckt hat oder unter einer Verdauungsstörung leidet, kann im Grün Erleichterung suchen. Dafür spricht eine plötzliche Verhaltensänderung: Ein Tier, das Gras vorher nie angerührt hat, frisst es plötzlich gierig, und dazu kommen Erbrechen, Speicheln, Unruhe oder Appetitlosigkeit.

Wenn Sie vermuten, dass Ihr Hund etwas verschluckt hat, ist das Grasfressen hier ein Signal und keine Lösung. Gras entfernt keinen Fremdkörper auf natürlichem Weg, und im schlimmsten Fall kommt pflanzliches Material zum Problem hinzu.

Bedeutet Grasfressen einen Nährstoffmangel?

In der Regel nicht. Diese Erklärung kursiert am weitesten, hat aber die schwächste Datengrundlage: Gras fressen auch Hunde, die mit Alleinfutter ernährt werden und keinerlei Mangelanzeichen zeigen.

Gras ist ohnehin keine gute Nährstoffquelle für einen Hund. Der Hundeorganismus verdaut keine Zellulose, nimmt aus verschluckten Halmen also wenig auf, und der Großteil des pflanzlichen Materials kommt unverändert wieder heraus.

Nährstoffmangel und Hundeernährung: Wann lohnt sich eine Überprüfung?

Es gibt allerdings Situationen, in denen die Ernährung eine Überprüfung verdient. Wenn ein Hund selbst zusammengestellte Mahlzeiten ohne Supplementierung bekommt, wenn er hauptsächlich Leckerlis statt Alleinfutter erhält oder wenn neben dem Grasfressen Veränderungen von Fell, Appetit und Körpergewicht auftreten, lohnt sich eine Analyse des gesamten Speiseplans.

Ein Alleinfutter deckt per Definition den Bedarf an allen Nährstoffen und erfordert keine zusätzliche Supplementierung. Leckerlis sind Ergänzungsfuttermittel und sollten etwa 10 % der täglichen Kalorienmenge ausmachen und nicht deren Grundlage bilden.

Wann wird Grasfressen für einen Hund gefährlich?

Das Verhalten selbst ist meist unschädlich. Das Risiko hängt vor allem damit zusammen, was sich auf dem Gras und darin befindet.

Chemische Mittel auf dem Rasen

Rasenflächen in Parks, in Wohnsiedlungen und auf Golfplätzen werden mitunter mit Herbiziden, Pestiziden und Düngemitteln behandelt. Genau aus diesem Grund kann Gras giftig sein, und zu den Vergiftungssymptomen zählen Speichelfluss, Erbrechen, Muskelzittern und Schwäche.

Seien Sie besonders vorsichtig an frisch gemähten und gedüngten Orten sowie dort, wo Hinweise auf chemische Behandlungen zu sehen sind.

Parasiten im Gras

Gras kann mit Parasiteneiern verunreinigt sein, die im Kot anderer Tiere zurückgeblieben sind. Spulwürmer und Hakenwürmer werden genau auf diesem Weg übertragen. Deshalb ist eine regelmäßige Entwurmung nach Empfehlung des Tierarztes hier wichtiger als das bloße Beaufsichtigen des Hundes.

Darmverschluss und scharfe Halmkanten

Eine große Menge pflanzlichen Materials auf einmal kann im Verdauungstrakt eine feste Masse bilden. Ein Darmverschluss ist eine seltene, aber reale Komplikation, vor allem bei Hunden, die lange Halme ohne Kauen verschlucken.

Die zweite Gefahr sind die Pflanzen selbst. Manche Grasarten haben scharfe Kanten, die Maulhöhle und Speiseröhre verletzen, und Grannen können sich in Gewebe bohren und wandern. Zwischen den grünen Halmen wachsen außerdem für Hunde giftige Pflanzen, die der Hund nicht vom Gras unterscheidet.

Hund frisst Gras und erbricht: Wann zum Tierarzt?

Ein einmaliges Erbrechen nach dem Spaziergang bei einem Hund, der sich ansonsten normal verhält, erfordert in der Regel kein Eingreifen. Ein Termin ist dagegen nötig, wenn eines der folgenden Signale auftritt:

  • Erbrechen, das sich in kurzer Zeit wiederholt oder über längere Zeit anhält.
  • Blut im Erbrochenen oder im Kot, auch in Form von dunklem, teerigem Inhalt.
  • Appetitlosigkeit über mehrere Stunden und Verweigerung von Wasser.
  • Bauchschmerzen, erkennbar an gekrümmter Haltung, hartem Bauch und Berührungsempfindlichkeit.
  • Apathie und Schwäche, die deutlich vom Alltagsverhalten des Tieres abweichen.
  • Eine plötzliche Veränderung beim Grasfressen, wenn der Hund es von einem Tag auf den anderen zwanghaft tut.

Andere beunruhigende Symptome, besonders solche, die Appetit und Aktivität betreffen, sagen mehr über den Zustand des Tieres aus als das Gras selbst. Diese Signale zeigen allerdings nicht von sich aus, was vorliegt. Sie zeigen aber, dass die Ursache in der Praxis gesucht werden sollte und nicht im Internet.

Verhaltensstörungen und zwanghaftes Grasfressen

Zwanghaftes Grasfressen, also mehrfach täglich wiederholtes, schwer zu unterbrechendes und vom Kontext des Spaziergangs losgelöstes Fressen, kann ein Anzeichen für ein Verhaltensproblem sein. Verhaltensprobleme dieser Art umfassen auch das Lecken von Böden, das Jagen der eigenen Rute und das Fressen ungenießbarer Gegenstände, und solche Störungen betreffen selten nur eine einzige Handlung.

Die extremste Form ist Pica, eine krankhafte Fressgier, bei der beharrlich Dinge gefressen werden, die kein Futter sind: Erde, Steine, Stoffe. Sie erfordert eine Abklärung, denn sie kann sowohl mit Verhaltensproblemen als auch mit Erkrankungen des Verdauungstrakts oder mit Blutarmut zusammenhängen.

Wie gewöhnt man einem Hund das Grasfressen ab?

Das Verhalten vollständig abzustellen ist selten realistisch und selten nötig. Das Ziel ist ein anderes: das Grasen an riskanten Orten einzuschränken und die Gewohnheit dort zu unterbrechen, wo sie lästig geworden ist.

  • Bringen Sie das Signal „Lass es" bei und setzen Sie es konsequent durch, immer gleich und von allen im Haushalt.
  • Lenken Sie die Aufmerksamkeit Ihres Hundes um, bevor er nach dem Gras greifen kann, etwa auf ein Spielzeug oder ein Trainingsleckerli, zum Beispiel gefriergetrocknete Entenbrust.
  • Erhöhen Sie die Aktivität, vor allem die Nasenarbeit, denn eine Schnüffelmatte und die Suche nach Leckerlis im Gras ermüden einen Hund wirksamer als bloße Distanz.
  • Kontrollieren Sie die Route und führen Sie Ihren Hund an gedüngten und stark frequentierten Orten an der Leine.
  • Achten Sie auf Ballaststoffe in der täglichen Ernährung, wenn Sie vermuten, dass Ihr Hund sie im Gras sucht.

Strafen wirkt hier gegenteilig, denn es erhöht die Anspannung, und Anspannung ist eine der Ursachen für das Verhalten, das Sie einschränken möchten.

Sichere Alternativen: Sollte man einen Hund Gras fressen lassen?

Wenn Ihr Liebling gelegentlich und auf sauberem Gelände Gras zupft und danach keine Beschwerden hat, gibt es keinen Grund, es ihm zu verbieten. Seiner körperlichen Gesundheit schadet das nicht. Das Verhalten ist völlig natürlich, und ein Kampf dagegen mit Gewalt richtet mehr Schaden als Nutzen an.

Ein vernünftiger Kompromiss ist es, dem Hund Grün anzubieten, das Sie kontrollieren:

  • Gras im Topf, ausgesät aus Hafer, Gerste oder Weizen, frei von Spritzmitteln und Kot.
  • Gekochtes, mildes Gemüse wie Kürbis, Karotte und Zucchini, in kleinen Mengen gereicht.
  • Futter mit zugesetzten Ballaststoffen, wenn Sie das Problem an der Wurzel und nicht nur kurzfristig lösen möchten.

Grasfressen beim Hund: Häufig gestellte Fragen

Ist Grasfressen für einen Welpen sicher?

Welpen zupfen Gras vor allem aus Neugier und tun es im Rahmen ihrer Erkundung der Welt. Ihr Verdauungstrakt ist jedoch empfindlicher und ihre Abwehr schwächer, sodass Magen-Darm-Probleme und Parasitenbefall leichter auftreten. Es lohnt sich, ihren Zugang zu Gras an öffentlichen Orten einzuschränken und im Zweifel den Tierarzt zur Parasitenprophylaxe zu fragen.

Frisst ein Hund Gras, weil er Würmer hat?

Für einen solchen Zusammenhang gibt es keine Belege. Ein Parasitenbefall zeigt andere Symptome: Gewichtsverlust trotz Appetit, Durchfall, stumpfes Fell, manchmal sichtbare Parasitenteile im Kot. Gras kann allerdings eine Infektionsquelle sein, der Zusammenhang wirkt also eher in die andere Richtung.

Verdaut der Hundeorganismus Gras?

Nicht in nennenswertem Maß. Der Hundeorganismus bildet keine Enzyme, die Zellulose abbauen, sodass die Halme den Verdauungstrakt nahezu unverändert passieren. Gras wirkt daher eher mechanisch, als Ballast und Reiz für den Darm, und nicht nährend.

Endet Grasfressen immer mit Erbrechen?

Nein. Untersuchungen haben gezeigt, dass nur ein kleiner Teil der Hunde danach erbricht und sich die meisten Tiere nach dem Fressen von Grünzeug völlig normal verhalten. Regelmäßig wiederkehrendes Erbrechen ist ein Anlass für eine Untersuchung und keine erwartbare Folge.

Beeinflusst die Ernährung, wie viel Gras ein Hund frisst?

Sie kann es beeinflussen, ist aber nicht der einzige Faktor. Eine höhere Ballaststoffzufuhr kann bei Hunden wirksam sein, die regelmäßig Gras zupfen. Bei Tieren, die aus Langeweile oder Stress fressen, löst ein Futterwechsel dagegen nichts.

Was tun, wenn der Hund Gras von einem mit Chemikalien behandelten Rasen gefressen hat?

Wenden Sie sich sofort an die Praxis, ohne auf Symptome zu warten, und klären Sie nach Möglichkeit, welches Mittel eingesetzt wurde. Bei Vergiftungen zählt die Zeit, und die Information über den Wirkstoff erleichtert dem Tierarzt die Wahl des Vorgehens.

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